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14.06.17 Zukunft Bauen in der Stadt

Bezirksrätin und Architektin Christine Degenhart spricht bei den Freien Wählern Traunreut

„Zukunft Bauen in der Stadt“. Unter dieses Motto stellten die Freien Wähler Traunreut ihre Informationsveranstaltung zum Bauen in der Sportplatzgaststätte Traunreut.

Die zahlreich erschienenen Gäste wurden vom stellvertretenden FW-Vorsitzenden und Fraktionssprecher im Stadtrat, Konrad Unterstein, sehr herzlich begrüßt. Ein besonderer Gruß galt Bürgermeister Klaus Ritter, den anwesenden Stadträten.

In seinem Grußwort ging Bürgermeister Ritter anhand der Wohnanalyse von Dr. Tekles von 2015 (sie ist auf der Homepage der Stadt abrufbar) auf die aktuelle Wohnsituation in Traunreut ein. Der Bestand an Wohnungen liegt bei 10000, allerdings ist dieser in den letzten 20 Jahren gleichgeblieben. Bei den Wohngebäuden liegt der Bestand bei 3716 Gebäuden. Der Bedarf an 1-2 Zimmerwohnungen ist lt. Bürgermeister Ritter ausreichend soll aber nicht außer Acht gelassen werden. Der durchschnittliche Mietpreis lag 2016 bei 8,80 €/qm. Die Immobilienpreise liegen zwischen 1600 – 2400 €.

Im sozialen Wohnungsbau will man nicht tätig werden, da die Stadt über 1167 Sozialwohnungen verfügt, während der Bedarf bei nur 768 liegt. Lt. Wohnraumanalyse sind das 300 Sozialwohnungen zuviel. Im Landkreis (ohne die Stadt Traunstein) entspricht das einem Anteil von 75 %. Lt. Bürgermeister Ritter stimmt hier der Proporz nicht, da andere Gemeinden im Landkreis hier fast gar nichts tun. Außerdem hält er keines der drei Programme des Wohnungspakts Bayern für Traunreut praktikabel oder umsetzbar.

Traunreut benötigt Wohnraum in jeglicher Form. Damit ist auch der hochwertige Wohnungsbau gemeint, an dem es der Stadt noch fehlt.

In den letzten Jahren wurde folgender Wohnraum geschaffen: Frauenbrunn (71 Wohneinheiten), Walchenfeld (83 Wohneinheiten) und hochwertiger Geschoßwohnungsbau in der Hofer Straße. Im Entwicklungsstadium befindet sich gerade Westendstaße (34 Wohneinheiten), Stocket (mögliche 90 Wohneinheiten sowie Traunfeld III und Abdeckerfeld (bei denen noch nicht feststeht, was möglich ist) Dazu kommt noch der Geschoßwohnungsbau in der Eichendorffstraße im Sanierungsgebiet Munapark (ca. 60 kleinere Wohneinheiten).

Abschließend stellte Bürgermeister Ritter fest, dass es nicht richtig ist, dem Bürgermeister und dem Stadtrat zu unterstellen, sie wären nur an gehobener Gesellschaft interessiert. Mehr Wohnraum gibt es nur durch Innenstadtverdichtung.

In ihrem Vortrag „Lust auf Wohnraum“ erläuterte Christine Degenhart, die auch Präsidentin der bayerischen Architektenkammer ist, dass das Wohnen in der Zukunft flexibel, heterogen und barrierefrei sein sollte.

Es sollte die, baulich gesehen, Innenentwicklung vor der Außenentwicklung gehen. Darunter ist zu verstehen, dass man Brachflächen nutzt, Baulücken schließt, Bestand aktiviert, Gebäude aufstockt oder Ersatzneubau (Abriss alter Gebäude und Neubau an gleicher Stelle) schafft, was aber nicht so weit gehen soll, das man Grünflachen zubaut.

Ein weiterer Punkt ist eine Zusammenführung von Wohn- und Gewerbegebieten, so dass das man dem Menschen das Pendeln vom und zum Arbeitsplatz nicht mehr zumuten muss.

Wichtig war Frau Degenhart auch, dass es keine Ghettobildungen gibt, sondern Menschen verschiedener Kulturen in den Wohngebieten zusammenleben. Denn Ghettobildungen sind schädlich für den sozialen Frieden.

Anreize zum Bauen stellen lt. Frau Degenhart die Kredite und Zuschüsse der KfW-Bank (das Geld liegt bereit, man muss es nur abrufen), der Sozialpakt Bayern und das Spielen mit der Grundsteuer B (Privatgrundstücke) dar.

Kostentreiber sind der gestiegene Flächenbedarf pro Person (1960: 16 qm, 2014: 47,7 qm). Auch die Anzahl der Personen pro Haushalt (1950: 3 Personen, 2014: 2,3 Personen) spielt hier eine Rolle.

Beim Bauen selbst schlagen der ohne Zweifel sehr wichtige Brandschutz, die Barrierefreiheit und die energetische Ausrüstung (diese ist allerdings bereits erschöpft) stark zu Buche.

Als künftige Wohnformen sieht Frau Degenhart das Zuhause (angestammte Wohnung, Familienhaus) eine Hausgemeinschaft (hier treffen sich die Hausbewohner in Gemeinschaftsräumen), die Wohngemeinschaft, die ambulant betreute Wohngemeinschaft, das stationäre Wohnen, das Generationenhaus sowie das Betreute Wohnen.

In der Diskussion mahnte Werner Heuberer davor, die Stadt nicht zu zersiedeln (das Zusammenwachsen von Stadtteilen), sondern in die Höhe zu gehen. Ein Mitarbeiter einer großen Traunreuter Firma sagte, das einige seine Kollegen, die sich in Traunreut ansiedeln wollen, den Bau eines eigenen Hauses einer Wohnung vorziehen. Angesprochen wurden auch noch das leerstehende BayWa-Gebäude sowie das seit Anfang Juni ungenutzte Coca-Cola Gelände. Hierzu meinte Bürgermeister Klaus Ritter, dass in beiden Fällen die „Traunreuter Liste“ gilt. D. h., das innenstadtrelevante Geschäfte sich dort nicht ansiedeln dürfen.

Konrad Unterstein sagte in seinem Schlusswort, das die Menschen in Traunreut nicht nur arbeiten sondern auch leben wollen. Jedoch benötige nachhaltige Planung für neue Baugebiete seine Zeit. Er vertrat die Ansicht, dass die Innenstadtverdichtung mindestens genauso wichtig sei wie die Ausweisung neuer Baugebiete. Die vorhandenen Bauflächen müssen zukünftig besser und verträglicher genutzt werden. In Sachen Wohnraum werden die Freien Wähler am Ball bleiben versprach der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Stadtratsfraktion.

Bürgermeister Klaus Ritter
Bezirksrätin und Architektin Christine Degenhart
Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Konrad Unterstein
Die Redner standen dem Publikum Rede und Antwort
Ein kleines Präsent für unsere Gastrednerin